Freitag, 24. August 2012

Low Performer?

Es ist sicher schon manchem aufgefallen, dass sich Nachrichtenmagazine im Sommerloch gerne mit Unfug beschäftigen und diesen sogar auf den Titel heben. Der Stern macht da keine Ausnahme, dreht sich doch die Titelstory von gestern um das Thema, wie verführerisch Arbeit heute (teilweise) gestaltet ist und wie sehr sich die Arbeitnehmer vom Erfolg und der damit (hoffentlich) einhergehenden Anerkennung abhängig machen, anstatt einfach mal nein zu sagen.

Faszinierend ist, das man dabei nur Führungskräfte mittlerer und höherer Ebene, Kreative, Menschen in Bürojobs ganz allgemein betrachtet hat. Als wenn Deutschlands Arbeitslandschaft daraus bestünde... Oh, sicher, viele Menschen arbeiten im Büro und sicher ist es ganz toll, wenn man zwischendurch mit Kollegen einen Cappucino im hauseigenen Bistro schlürfen kann, um sich dabei über die Arbeit zu unterhalten, oder mal schnell ein paar Bälle über den Platz zu schlagen. Doch auch das ist nicht der Regelfall des Berufslebens. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass an vielerlei Arbeitsstätten die einzigen Schlüsselqualifikationen, welche man von den Mitarbeitern erwartet folgende sind:

- tue, was man dir sagt, wenn man es dir sagt!
- keine Widersprüche, keine unnötigen Nachfragen, kein Mitdenken!
- dein Arbeitsplatz wird so gestaltet, wie wir es für richtig halten!
- Mitsprache gleich welcher Art findet nur in dem Umfang statt, den wir zulassen!

Zum einen ist die Entgrenzung von Arbeitsplatz und Freizeitraum bzw. von Arbeitszeit und Freizeit schädlich, denn in dem Moment, da alles zu einer Melange des sich selbst managen Müssens degeneriert, verliere ich Kontrolle und Konzentration auf das im jeweiligen Bereich Essentielle. Ich arbeite nicht konzentriert, denn Arbeit ist ja irgendwie überall, denn ich kann sie mitnehmen; und ich lebe / müssiggehe / entspanne nicht mehr mit der notwendigen Würdigung dieses Freiraumes, weil ja alles irgendwie im Fluss und ein Spiel geworden ist.

Das Credo des Artikels, einfach mal NEIN sagen zu sollen wird durch die irgendwie ja ganz nette Beschreibung der Arbeitsumwelten weniger und die markigen Aussagen von Personalern, dass man halt jedes Jahr die Latte ein bisschen höher legt konterkariert. Es gibt also in deren Welt nur die Wege [Karriere > Leben] oder [Leben>Karriere]. Woraus sich drei entscheidende Fragen ableiten lassen:

Wieviel ist Karriere wert, wenn ich mit Mitte 40 im Burnout angelangt bin?
Wann lebe ich, wenn der Zweck des Lebens ist zu arbeiten, um leben zu können, nicht leben um arbeiten zu können?
Wem nutzt es, wenn ich immer mehr leiste? Wer wird dafür wegrationalisiert und verliert seine Lebensgrundlage?

Ich finde diese Angewohnheit, alles als "Lifestyle" inszenieren zu müssen, diese gezwungene Lässigkeit des "everything goes everywhere" zum Kotzen! Zum einen weil ich es genieße am (fest definierten) Ende des Arbeitstages meine Klamotten abzulegen (nein ich arbeite nicht am Band, sondern im Gesundheitswesen) und nichts außer vielleicht ein paar Gedanken zum Tagwerk mit nach Hause nehmen zu müssen. Es erscheint mir mittlerweile als Privileg, mich nicht mit so einem Unsinn wie Zielvereinbarungsgesprächen, Coachings u.Ä. herumschlagen zu müssen.

So ganz am Rande wäre es interessant zu erfahren, wie's bei Opel am Band, bei der Schwester auf Station, beim Postzusteller oder sonstwo, wo tatsächlich durch der Hände Arbeit Wert geschöpft wird mit solchem Quatsch aussieht. ich glaube, DAS würde die Leser wirklich interessieren. Der Personaler von Adidas mit seinen vollkommen überzogenen Vorstellungen von Performance ist mir nämlich schnurz!

Schönen Tag noch...

Mittwoch, 15. August 2012

Von Zeit zu Zeit wird man gescheit...

...gefühlt jedoch reicht das nie weit!

Gefühlte Ewigkeiten seit dem letzten Blog-Eintrag, tatsächlich ein halbes Jahr (was in der im Internet allgegenwärtigen Währung "Zeit" Äonen entspricht), in dem sich hier nix getan hat. Und es war nicht so, dass ich nicht dann und wann Lust verspürt hätte, dem Netz einfach mal ein paar Gedanken anzuvertrauen, doch...; ja was eigentlich? Hatte ich wirklich keine Zeit? Nun ja, ich habe tatsächlich so einiges um die Ohren mit Familie, Job, Fernstudium, aber das geht anderen auch nicht besser, oder? Immerhin war ein kleiner Urlaub in Umbrien drin. Und da habe ich fotografiert:




War eine wirklich schöne Zeit, sehr erholsam und alles und doch juckte es mich nicht in der Feder, als ich heimkam (es erwies sich als clever, sich einen Ort auszusuchen, an dem der I-Net-Zugang nur sehr schwer möglich ist. Das nennt man Selbst-Entschleunigung!). Tatsächlich war mein Problem aber so eine Art Schreibblockade, welche sich jetzt ganz allmählich löst. Ich glaube, ich hatte einfach eine Scheiß-Angst nicht alles unter einen Hut und in meinen Griff zu bekommen. Die Vorstellung, nicht mehr Herr seines eigenen Lebens sein zu dürfen, ist für die meisten Menschen ziemlich enervierend und ich mache da keine Ausnahme. Doch wenn man wieder obenauf kommt, so langsam alle Aufgaben an ihren Platz in der Prioritätenliste sortiert und sich seine Zeit neu organisiert hat, ist der Himmel wieder blau!

Vielleicht reitet mich ja mal der Teufel und ich schreib wieder einfach, was mir gerade so in den Kopf kommt; jetzt lass ich aber erstmal die Tastatur Tastatur sein und genieße den Rest des Abends. Es ist zwar Arbeits-Urlaub, das heißt aber nicht, dass es nicht auch ein bisschen Spaß machen darf... in dem Sinne bis bald, ihr da draußen!