Es ist für mich zu einer nicht selten geübten Routine geworden, beim Lesen der Nachrichten, bevorzugt solcher, die online dargeboten werden speziell bei Themen hängen zu bleiben, die mit den verschiedensten Spezifika rund um den Begriff Bildung zu tun haben. Interessiert hat mich das Sujet schon immer, doch seit ich neben meiner beruflichen Tätigkeit ein Fernstudium der Bildungswissenschaft mit dem Fernziel eines B.A.-Abschlusses betreibe, haben sich sowohl meine Perspektive als auch mein Zugang zur Thematik erheblich entwickelt. Man kommt in dieser Situation nicht umhin, alte Ideen und Meinungen zumindest auf den Prüfstand stellen und in der Folge nicht selten auch über Bord werfen zu müssen, denn die Vertiefung des Wissens und die Auseinandersetzung mit verschiedenen Standpunkten zur Materie erweitern den eigenen Horizont in zuvor ungeahntem Maße.
Speziell durch ein geisteswissenschaftliches Studium erhält man die Chance, sich selbst zu reflektieren, denn die Beschäftigung mit den philosophischen Wurzeln/Grundlagen des Fachs macht einem bewußt, was Bildung in verschiedenen Agenden sein und erreichen können soll. Und was man selbst vielleicht an Defiziten aufweist, die aufzuarbeiten nicht nur pekuniären Mehrwert generieren könnte.
Womit wir bei der Frage wären, was einen dazu treibt, ein Studium aufzunehmen? Und weil ich davon überzeugt bin, nur schwerlich mit einem jungen Bachelorstudenten, der gerade frisch von der Schule kommt verglichen werden zu können, muss man eben diese Frage wohl aus mehreren Perspektiven betrachten.
Ich für mein Teil kann schon auf knapp zwei Jahrzehnte Erfahrung im Berufsleben zurückblicken und meine Motivation schöpfe ich aus einem lang gehegten Bedauern, meine allgemeine Hochschulreife bislang nicht wirklich verwertet zu haben und dem Umstand, dass ich meinen derzeitigen Beruf auf Grund der körperlichen Belastungen vermutlich nicht bis zum Ende meines 67. Lebensjahres würde ausüben können. Also machte ich mich der Not gehorchend und gleichsam vom Wunsch getrieben, meinen Geist nicht verkümmern zu lassen auf die Suche nach Alternativen. Nach einigen Wochen des Überlegens und Rechnens war ich zu der Auffassung gelangt, dass ein in Teilzeit betriebenes Fernstudium mit meiner beruflichen Tätigkeit und meiner Familie vereinbar sein könnte. Und habe das Wagnis bislang nicht bereut. Ich studiere zwar "nur" ein Modul à 8 SWS pro Semester, aber es geht voran. Es ist nicht so, dass mein Zeitmanagement nicht aufwendiger geworden wäre, aber alles in allem ist der Aufwand überschaubar. Was mich zu der Frage bringt, warum denn immer mehr Studierende über zuviel Stress und Leistungsdruck klagen?
- Hat die Umstellung auf Bachelor-/Masterstudiengänge wirklich zu so einer Verdichtung geführt?
- Sind Studenten heutzutage weniger resilient, oder haben sie ein schlechtes Zeitmanagement?
- Ist der Verschulungsgrad des Studiums zu hoch, bzw. die Studiendauer zu kurz?
- Ist das Studium und damit auch der Studierende zum Sklaven dauernder Effizienzforderungen durch die Wirtschaft geworden?
- Bedeutet ein Studium heute noch einen Reifeprozess, bzw. hat es noch einen Bildungsanspruch, oder ist es bloß eine andere Form von Berufsausbildung mit Hochschuletikett?
Mir würden noch ein paar Fragen einfallen, aber diese reichen für den Anfang. Möchte jemand darüber reden? Ansonsten: schönen Tag noch!