Dienstag, 16. Oktober 2012

Recyclingkreativität - gibt es so was überhaupt.



Es gibt offensichtlich in der englischsprachigen Welt eine Bewegung unter Künstlern und Kritikern, welche sich der Idee verschrieben hat, dass jedwede Art von Kunst nicht viel mehr ist als - wenn auch hoch entwickelter - Plagiarismus. Nicht in einem negativen Sinne, sondern eher aus einer Sicht auf die Kunst- und Kulturgeschichte heraus, welche den Verdacht nahe legt, dass alles irgendwie schon mal da gewesen ist und dass echte Innovativität und kreatives Genie Mythen sind, da Schöpfung ex nihilo anscheinend wohl außerhalb der menschlichen Möglichkeiten liege.

Meine Lesart ist - und nicht nur, weil ich selbst schon publiziert habe und dies auch fürderhin tun werde - nicht kongruent. Die Idee, dass der Mensch, bzw. der Künstler stets lediglich verwertet, was andere vor ihm gedacht und erschaffen haben, dass er so quasi nur recycelt, dass alles Neue mehr oder weniger direkt aus Altem entsteht und somit gleichsam alt ist, entspringt einerseits der Erkenntnis, dass alles Dasein und auch alles Kulturschaffen als in dieses Dasein eingebettet ein Prozess ist, bei dem bestimmte Elemente sehr wohl tradiert oder vererbt werden; andererseits unser heutiger Mediengebrauch das Plagiat quasi befördert, macht doch das Internet Copy-Paste quasi  zur einfachsten aller Kunstformen. Früher bedurfte es profunder technischer Kenntnisse um ein einigermaßen brauchbares Bild zu schießen, heute kriegen auch unbedarfte Amateure mit digitalem Equipment und etwas Software Know-How achtbare visuelle Produkte zu Stande. Gleiches gilt auch für das Texten und sicherlich haben sich die Wege des Veröffentlichens dermaßen pluralisiert (und damit auch demokratisiert), dass man das Plagiat schon fast als eigene Kunstform betrachten muss. Doch diese Pluralisierung geht noch weiter. Die Menge an Information und Kunst, die täglich vor meinen Augen und Ohren vorbeizieht, hat sich vervielfacht, so dass die Leute, welche "recreativity" als Prinzip schöpferischen Tuns deklarieren, jeden Künstler nur noch als Knoten in einem Netzwerk sehen, der mit anderen korrespondiert, deren Signale interpretiert, modifiziert, variiert und weitersendet. Das World Wide Web als Analogie für unser Kulturschaffen. Doch bedeutet diese (gefühlt) fast ubiquitäre Verfügbarkeit älterer Produkte des menschlichen Kulturschaffens tatsächlich, dass wir nicht (mehr) wirklich kreativ sind, sondern stets mit der einen oder anderen Form des Abkupferns beschäftigt sind, gleich wie originell und spannend diese auch sein mögen?

Zum einen vermisse ich einen wichtigen Aspekt der Prozessualität von Leben und (menschlichem) Schaffen, nämlich den der je individuellen wie auch zeitgenössischen Eigenheiten der kreativ tätigen Menschen. Methoden ändern sich, Materialien und Techniken ändern sich; und natürlich ändern sich auch die Menschen. Das was wir als tradierte Güter ehemaligen Kulturschaffens mit uns herum tragen mag eine gewisse Präsenz haben doch es diktiert nicht mein eigenes schöpferisches Tun. Ich nutze geschriebenes, Gemaltes nicht als Blaupause für meine eigenen Werke, so wenig wie die viele andere dies tun. Vielmehr ist diese dem Wandel innewohnende Varianz Motor für Vielfalt, für Innovation. Mag sein, dass einmal Gedachtes oder Gemachtes hie und da seinen Widerhall in den Kreationen kontemporärer Künstler findet, doch dies entwertet die Kunst in keinster Weise, wenn die Idee und Erkenntnis des Künstlers in ihm selbst gereift ist und so seinem Werk zur Kraft gereicht, Idee und Erkenntnis zu transportieren. Wie oft denkt man einen Gedanken, nur um später herausfinden zu müssen, dass ein Anderer diesen auch schon hatte. Dennoch ist der vielleicht auf ganz anderem Wege dahin gelangt und wird für sich reklamieren, von selbst darauf gekommen zu sein, selbst wenn es auch vor ihm schon mal jemanden gegeben haben sollte, usw..

Die eine oder andere Idee kommt immer wieder zum Vorschein und gewisse künstlerische Motive werden ja sogar als Standardtypen an der Kunstschule gelehrt. Doch das macht Kunstschaffen nicht zum Plagiarismus, denn das Werk ist immer Spiegel des Individuums, welches es geschaffen hat und eben dieses Individuum ist immer selbst dauernd im Wandel befindliches Produkt eines Prozesses, der so sehr von Zufällen und Chaos bestimmt ist - nämlich unserem Leben - das die Ergebnisse der kreativen Arbeit - natürlich unter bestimmten Voraussetzungen wie etwa Talent, Fähigkeiten, etc. - mindestens so spannend sein werden, wie das Leben selbst.

Mit Sicherheit verfangen einige Aspekte der Idee von der Recyclingkreativität, sie jedoch als ausschließliches Prinzip der Kunstschöpfung zu deklamieren, um gleichzeitig die Existenz von wahrer Kreativität, vulgo des schöpferischen Genius zu negieren, nur weil das Internet nach und nach einige Modi des Kulturbetriebes verändert, halte ich für drastisch übertrieben. Mit Sicherheit ist an der Idee vom Künstler als Empfänger/Transmitter, als Knotenpunkt im Netz(werk), der Signale - oder besser im semiotischen Sinne Symbole - dekodiert, interpretiert, modifiziert, usw. insofern etwas dran, als wie bereits oben erwähnt eine Demokratisierung des Kulturbetriebes mehr Menschen in die Rolle des kreativen (Inter)Akteurs gebracht hat; Menschen, die sicherlich oft viel Enthusiasmus, aber wenig Erfahrung und kaum formale Kenntnisse mitbringen. Aber auch für diese Leute gilt, dass sie als Individuen je eigene Algorithmen der Symbolinterpretation/Kodierung mitbringen, die auf mittlere Sicht eher einen Gewinn darstellen dürfte, denn eine "Verwässerung" des künstlerischen Schaffens.

Abschließend würde ich sagen, dass Kreativität zu fast gleichen Anteilen aus bewusstem Recycling, einer Beeinflussung durch tradierte Kulturerfahrungen und Originalität besteht. Kontemporäres kreatives Arbeiten aber als reines "Remixen" zu betrachten, rechtfertigt diese Erkenntnis in keinem Fall. Viel Spaß bei der Suche nach einer eigenen Meinung.

Montag, 1. Oktober 2012

[Cerebralfundstück N°1] Ich fuhr da so neulich...

...auf der Autobahn und da blubberte in der zugegeben ziemlich unberechenbaren Fumarole meines Geistes folgende Frage nach oben:

"Ist Mobilität ein Wert an sich?"

Und ganz ehrlich; ich weiß es noch nicht. Aber mit Sicherheit ist es eine Frage, die einer umfassenden Betrachtung lohnt. Vielleicht hat ja jemand anders eine Meinung dazu...

Mittwoch, 26. September 2012

[Cerebralfundstück N° 0] Kunst ist niemals alt...

...oder doch? Viele Menschen, die ich kenne, verstehen Kunst nicht. Oder vielmehr, ihnen ist nicht bewusst, dass es eben genau die Essenz von Kunst ist, irritieren zu wollen, ohne dass der Kunstnutzer sich dieser Tatsache sofort gewahr wird. Adorno z.B. sah Kunst in ihrer ursprünglichen Form als Korrektiv für die Entfremdung des Menschen von der Natur - sowohl der Umwelt als auch seiner eigenen - durch die Übersteigerung der Aufklärung. [Wer mehr wissen möchte lese "Dialektik der Aufklärung"] Das bedeutet in einer zeitgenössischen Lesart, sich darauf einzulassen zu müssen, von etwas verwirrt zu werden, was nicht sofort rational identifiziert und gedeutet werden kann. Darin und in der Tatsache, dass Kunst nicht inaktuell wird, nur weil sie schon ein paar Jahre auf dem Buckel hat, liegt der wahre Wert von Kunst.

Und nur so im Nebensatz: wenn es also keine alte Kunst gibt, dann auch keine moderne Kunst, da sie ja nicht inaktuell wird, aber natürlich auch nur bedingt in die Zukunft weisen kann; überdies leben wir doch sowieso schon in der Postmoderne.

Grüße aus dem Kaffeesatz

Dienstag, 25. September 2012

Des is des...

...sagt ein Kollege von mir immer, wenn es darum geht, zu beschreiben, dass mancher Sachverhalt nun einmal so ist und nur sehr schwer oder vielleicht auch gar nicht verändert werden kann. Einfach und prägnant! Finde ich gut! Wenn's nur nicht so viele Dinge gäbe, bei denen man sich denkt: "des is des halt..."

Montag, 17. September 2012

Zeit zum Lesen!

Ich lese gerne und nicht nur weil es bildet, sondern auch weil es unterhält. Lesen ist Selbstzweck an sich, denn es trainiert den Kopf, damit die Gerhirnwindungen frei bleiben - ist als wenn man mal mit dem PKW auf der Autobahn ordentlich Gas gibt, um die Stadtverkehrrumgeeierschlacken aus dem Motor zu blasen. Übrigens eignen sich auch elektronische Medien zum Lesen. Wer informiert bleiben möchte, der kommt nicht umhin, in ein paar Tages- und Wochenzeitungen zu schauen und wer keine Lust hat auf riesige Papierberge, dem kann ich neben dem Kauf eines Tablets auch die Nutzung von pulse empfehlen https://play.google.com/store/apps/details?id=com.alphonso.pulse
Ein feiner Newsaggregator, in dem man sich seine bevorzugten Zeitungen wohlgeordnet in Stapeln auf den Bildschirm holen kann. Da machen Kacheln mehr Spaß als bei der Metro-Oberfläche von Windows 8...

Montag, 10. September 2012

Ja ja, die Anderen

Bevor ich mich nun doch dazu erniedrige, etwas zu dem zu sagen, was mir seit gestern Abend durch den Kopf geht muss vorauseilen, dass ich nun auch meine zweite Semesterklausur geschrieben haben und immer noch voll des guten Gefühls bin. Manchmal, aber nur manchmal bringt Lernen tatsächlich etwas.

So, jetzt zu den Kurden. Fast jeder scheint schon was dazu abgesondert zu haben, vorneweg die guten Bürger, die sich darüber echauffieren, dass es doch nicht sein kann, dass die HIER demonstrieren, dass sich auch Minderheiten an die rechtsstaatliche Ordnung halten müssen (sagt Bilkay Öney, Integrationsministerin von Ba-Wü), dass sie doch dahin gehen sollen, wo sie herkommen und überhaupt. Das noch keiner "Deutschland den Deutschen" abgesondert hat, wundert mich fast schon bei soviel mit Inbrunst zur Schau gestellter "rechtmäßiger" Nationalstaatsbürgerwut...

DIE Kurden gibt's nicht - genau sowenig wie DIE Deutschen (nur mal so am Rande). Von 40.000 haben ca. 200 Randale gemacht und sind dabei von vielleicht 1000 nicht zurück gehalten worden. Macht 2,5%, aber die reichen ja bei uns bekanntermaßen schon immer, um die anderen 97,5% auch gleich abzuqualifizieren. Wie's geht lesen sie bei Norbert Elias (etablierte und Außenseiter) und warum man's macht bei Thilo Sarrazin (Deutschland schafft sich ab). Bevor's hier noch Sarrazinesker wird; in der Türkei werden Kurden - in der Mehrzahl Zivilisten - auf ihrem eigenen Land seit fast 40 Jahren Opfer ethnischer Säuberungen durch das türkische Militär. Kann man nachlesen. Wenn man möchte... Schuld daran ist der "Tiefe Staat" in der Türkei. Wer was darüber nachlesen möchte, auch das ist hier nicht verboten.

Auch wenn Bilkan Öney sagt sie habe es nicht so gemeint und sie sei nicht der Meinung, dass es einen tiefen Staat in der BRD gäbe kann man doch ziemlich sicher sagen, dass die Arbeit im Polizeidienst nicht gerade den Philantropen kultiviert, wofür ich vollstes Verständnis hab - UND einen Prozentsatz an nationalistisch gesinntem Personal beherbergt, der den des übrigen Deutschland weit übertrifft. Dann die auf Krawall gebürsteten, von Testosteron gesättigten, kleinasischen Mitbürgerkinder in ihrem nach Ehre und Respekt heischenden Machismo, die da vormarschiert sind. Die können einen schon mal auf die Palme treiben. Aber mal ehrlich: wer den ersten Schlag warum ausgeteilt hat weiß jetzt nur noch derjenige, der es war. Und der hält den Mund. Polizei und DIE Kurden beschuldigen sich gegenseitig. Tja, war schon immer so, wird immer so bleiben.

Aber dieses ganze, beinahe an die Blut-und-Boden-Rethorik rankommende heuchlerische "Ohne Worte"-Getue habe ich satt! Integration findet in Deutschland nicht statt, weil der Staat sie verhindert. Wer gerne wissen möchte, warum ich das behaupte, darf zu mir zum Diskutieren kommen. Aber dieses Rassisten-Geschwalls lasst ihr mir bitte vom Hals

SCHÖNEN NOCH...

Mittwoch, 5. September 2012

Erste Klausur rum!

Doch die nächste folgt sogleich. Und dennoch bin ich guten Mutes, denn offensichtlich hat das Repiturgatorium der letzten Wochen (für jene, die meinen bösartig spielerischen Wortkonstruktionen nicht immer so folgen können: Repititorium => Stoffwiederholung / Purgatorium => Fegefeuer) doch gewisse Früchte getragen. Zumindest gefühlt war die Aufgabe gut zu bewältigen, so dass ich nach 2:45 von 4:00 abgeben konnte. Ich bin in meiner Idee, doch noch nebenher zu studieren bestärkt. Juchei...