Mittwoch, 26. September 2012

[Cerebralfundstück N° 0] Kunst ist niemals alt...

...oder doch? Viele Menschen, die ich kenne, verstehen Kunst nicht. Oder vielmehr, ihnen ist nicht bewusst, dass es eben genau die Essenz von Kunst ist, irritieren zu wollen, ohne dass der Kunstnutzer sich dieser Tatsache sofort gewahr wird. Adorno z.B. sah Kunst in ihrer ursprünglichen Form als Korrektiv für die Entfremdung des Menschen von der Natur - sowohl der Umwelt als auch seiner eigenen - durch die Übersteigerung der Aufklärung. [Wer mehr wissen möchte lese "Dialektik der Aufklärung"] Das bedeutet in einer zeitgenössischen Lesart, sich darauf einzulassen zu müssen, von etwas verwirrt zu werden, was nicht sofort rational identifiziert und gedeutet werden kann. Darin und in der Tatsache, dass Kunst nicht inaktuell wird, nur weil sie schon ein paar Jahre auf dem Buckel hat, liegt der wahre Wert von Kunst.

Und nur so im Nebensatz: wenn es also keine alte Kunst gibt, dann auch keine moderne Kunst, da sie ja nicht inaktuell wird, aber natürlich auch nur bedingt in die Zukunft weisen kann; überdies leben wir doch sowieso schon in der Postmoderne.

Grüße aus dem Kaffeesatz

Dienstag, 25. September 2012

Des is des...

...sagt ein Kollege von mir immer, wenn es darum geht, zu beschreiben, dass mancher Sachverhalt nun einmal so ist und nur sehr schwer oder vielleicht auch gar nicht verändert werden kann. Einfach und prägnant! Finde ich gut! Wenn's nur nicht so viele Dinge gäbe, bei denen man sich denkt: "des is des halt..."

Montag, 17. September 2012

Zeit zum Lesen!

Ich lese gerne und nicht nur weil es bildet, sondern auch weil es unterhält. Lesen ist Selbstzweck an sich, denn es trainiert den Kopf, damit die Gerhirnwindungen frei bleiben - ist als wenn man mal mit dem PKW auf der Autobahn ordentlich Gas gibt, um die Stadtverkehrrumgeeierschlacken aus dem Motor zu blasen. Übrigens eignen sich auch elektronische Medien zum Lesen. Wer informiert bleiben möchte, der kommt nicht umhin, in ein paar Tages- und Wochenzeitungen zu schauen und wer keine Lust hat auf riesige Papierberge, dem kann ich neben dem Kauf eines Tablets auch die Nutzung von pulse empfehlen https://play.google.com/store/apps/details?id=com.alphonso.pulse
Ein feiner Newsaggregator, in dem man sich seine bevorzugten Zeitungen wohlgeordnet in Stapeln auf den Bildschirm holen kann. Da machen Kacheln mehr Spaß als bei der Metro-Oberfläche von Windows 8...

Montag, 10. September 2012

Ja ja, die Anderen

Bevor ich mich nun doch dazu erniedrige, etwas zu dem zu sagen, was mir seit gestern Abend durch den Kopf geht muss vorauseilen, dass ich nun auch meine zweite Semesterklausur geschrieben haben und immer noch voll des guten Gefühls bin. Manchmal, aber nur manchmal bringt Lernen tatsächlich etwas.

So, jetzt zu den Kurden. Fast jeder scheint schon was dazu abgesondert zu haben, vorneweg die guten Bürger, die sich darüber echauffieren, dass es doch nicht sein kann, dass die HIER demonstrieren, dass sich auch Minderheiten an die rechtsstaatliche Ordnung halten müssen (sagt Bilkay Öney, Integrationsministerin von Ba-Wü), dass sie doch dahin gehen sollen, wo sie herkommen und überhaupt. Das noch keiner "Deutschland den Deutschen" abgesondert hat, wundert mich fast schon bei soviel mit Inbrunst zur Schau gestellter "rechtmäßiger" Nationalstaatsbürgerwut...

DIE Kurden gibt's nicht - genau sowenig wie DIE Deutschen (nur mal so am Rande). Von 40.000 haben ca. 200 Randale gemacht und sind dabei von vielleicht 1000 nicht zurück gehalten worden. Macht 2,5%, aber die reichen ja bei uns bekanntermaßen schon immer, um die anderen 97,5% auch gleich abzuqualifizieren. Wie's geht lesen sie bei Norbert Elias (etablierte und Außenseiter) und warum man's macht bei Thilo Sarrazin (Deutschland schafft sich ab). Bevor's hier noch Sarrazinesker wird; in der Türkei werden Kurden - in der Mehrzahl Zivilisten - auf ihrem eigenen Land seit fast 40 Jahren Opfer ethnischer Säuberungen durch das türkische Militär. Kann man nachlesen. Wenn man möchte... Schuld daran ist der "Tiefe Staat" in der Türkei. Wer was darüber nachlesen möchte, auch das ist hier nicht verboten.

Auch wenn Bilkan Öney sagt sie habe es nicht so gemeint und sie sei nicht der Meinung, dass es einen tiefen Staat in der BRD gäbe kann man doch ziemlich sicher sagen, dass die Arbeit im Polizeidienst nicht gerade den Philantropen kultiviert, wofür ich vollstes Verständnis hab - UND einen Prozentsatz an nationalistisch gesinntem Personal beherbergt, der den des übrigen Deutschland weit übertrifft. Dann die auf Krawall gebürsteten, von Testosteron gesättigten, kleinasischen Mitbürgerkinder in ihrem nach Ehre und Respekt heischenden Machismo, die da vormarschiert sind. Die können einen schon mal auf die Palme treiben. Aber mal ehrlich: wer den ersten Schlag warum ausgeteilt hat weiß jetzt nur noch derjenige, der es war. Und der hält den Mund. Polizei und DIE Kurden beschuldigen sich gegenseitig. Tja, war schon immer so, wird immer so bleiben.

Aber dieses ganze, beinahe an die Blut-und-Boden-Rethorik rankommende heuchlerische "Ohne Worte"-Getue habe ich satt! Integration findet in Deutschland nicht statt, weil der Staat sie verhindert. Wer gerne wissen möchte, warum ich das behaupte, darf zu mir zum Diskutieren kommen. Aber dieses Rassisten-Geschwalls lasst ihr mir bitte vom Hals

SCHÖNEN NOCH...

Mittwoch, 5. September 2012

Erste Klausur rum!

Doch die nächste folgt sogleich. Und dennoch bin ich guten Mutes, denn offensichtlich hat das Repiturgatorium der letzten Wochen (für jene, die meinen bösartig spielerischen Wortkonstruktionen nicht immer so folgen können: Repititorium => Stoffwiederholung / Purgatorium => Fegefeuer) doch gewisse Früchte getragen. Zumindest gefühlt war die Aufgabe gut zu bewältigen, so dass ich nach 2:45 von 4:00 abgeben konnte. Ich bin in meiner Idee, doch noch nebenher zu studieren bestärkt. Juchei...

Zu Tod feuilletoniert...

Ich muss mich outen - als Bildungsbürger. Und das, obschon ich mich so ungern etikettieren lasse, aber man weiß ja, dass wir am Tage die unterschiedlichsten Rollen, als Vater, Ehemann, Mitarbeiter/Chef oder eben Bildungsbürger zu spielen haben. Zumeist spiele ich die letztgenannte allerdings eher wenig öffentlich, denn man will ja nicht als Arroganzling wahrgenommen werden.

Bildungsbürger... da schwingen verschiedene Konnotationen mit; zuallererst die (verpönte) des Elitistischen, dann irgendwie die des Mittelstandes (den es in der Form übrigens nicht mehr gibt, siehe dazu
http://books.google.de/books/about/Soziale_Milieus_im_gesellschaftlichen_St.html?id=8y_PAAAAIAAJ&redir_esc=y 
und schließlich die des Feuilleton lesenden Latte-Macchiato-Schlürfers.

Ja, ja, das Feuilleton... Aushängeschild eines Jeden, der sich mit Kultur zu beschäftigen vorgibt. Tatsächlich mithin nicht selten das Grauslichste, was man sich Morgens zum Frühstück antun kann. Selbstbeömmelung unter expliziter Herauskehrung des eigenen Anspruchs und Vermessung der Welt mit einem sehr individuell gestalteten Maßband würde es nur zu oft besser treffen. Man findet dort zunächst Kritiken von Büchern, Ausstellungen, Theater- und Opernaufführungen und - seitdem man nicht mehr daran vorbeikommt - auch Fernsehsendungen, insbesondere des sinnentleerten Talkdauerfeuers, welches Abzusondern die Verschwender meiner GEZ-Gebühren die unverfrorene Frechheit besitzen. Mehr oder weniger treffsicher wird hinterher seziert, was man doch von vornherein hätte wissen müssen, obwohl doch jeder weiß, dass Kristallkugeln schon seit Jahrhunderten ausverkauft sind. Wobei das mit dem vorher wissen eine glatte Lüge ist, wenn doch die ewig gleichen Protagonisten zu unterschiedlichen Themen immer das gleich zu sagen haben, weil sie a) zu irgendeiner Partei gehören, b) irgendjemandes Interessen vertreten wollen/müssen und c) dem gesellschaftlichen Mainstreaming verpflichtet sind. Diskussion muss ein bisschen nach Diskussion aussehen, aber ja nicht das Publikum mit zuviel echten Informationen versorgen, denn es könnte ja selbst zu denken anfangen... Die Essays sind nicht selten vom gleichen Kaliber, da liest man dürre Bleiwüsten zu Themen, die in realitas keine Katze hinterm Ofen vorlocken und zudem mit dem gehobenen Anspruch formuliert sind, dass sie bitte nur Leute des gleichen Niveaus verstehen. Ich habe nix gegen Niveau, aber von unten sieht's halt immer öfter aus wie Arroganz - und Menschen lassen sich nur ungerne sagen, dass sie dumm sind, auch wenn es manchmal stimmen mag.

Wohin führt mich das also? Nun dorthin, dass ich zwar (meistens) verstehe, was diese Redakdüsen von sich zu geben belieben, aber nicht akzeptiere, dass sie sich selbst oder irgendwelche eilfertig herbemühten Legitimationshilfen, wie etwa manchen allzu oft bemühten Philosophen (Sloterdijk kotzt mich mittlerweile an und Precht wird überbewertet) zum Maßstab des Lebens überheben. Man sollte Maßstäbe benutzen, an denen man sich auch selbst messen lassen möchte und da habe ich so meine Zweifel. Dabei müsste man annehmen, das Feuilleton-Redakteuren, die ja vermutlich über ein Studium irgendeiner Geisteswissenschaft verfügen der kategorische Imperativ ein Begriff ist.

Ach verdammich - belassen wir's einfach dabei, sie zumindest zu einem nicht unerheblichen Teil als elitistische Selbstbeömmler zu betrachten, trinken noch einen Milchkaffee und lesen was anderes - aber bitte nicht nur den Sportteil...