Ich muss mich outen - als Bildungsbürger. Und das, obschon ich mich so ungern etikettieren lasse, aber man weiß ja, dass wir am Tage die unterschiedlichsten Rollen, als Vater, Ehemann, Mitarbeiter/Chef oder eben Bildungsbürger zu spielen haben. Zumeist spiele ich die letztgenannte allerdings eher wenig öffentlich, denn man will ja nicht als Arroganzling wahrgenommen werden.
Bildungsbürger... da schwingen verschiedene Konnotationen mit; zuallererst die (verpönte) des Elitistischen, dann irgendwie die des Mittelstandes (den es in der Form übrigens nicht mehr gibt, siehe dazu
http://books.google.de/books/about/Soziale_Milieus_im_gesellschaftlichen_St.html?id=8y_PAAAAIAAJ&redir_esc=y
und schließlich die des Feuilleton lesenden Latte-Macchiato-Schlürfers.
Ja, ja, das Feuilleton... Aushängeschild eines Jeden, der sich mit Kultur zu beschäftigen vorgibt. Tatsächlich mithin nicht selten das Grauslichste, was man sich Morgens zum Frühstück antun kann. Selbstbeömmelung unter expliziter Herauskehrung des eigenen Anspruchs und Vermessung der Welt mit einem sehr individuell gestalteten Maßband würde es nur zu oft besser treffen. Man findet dort zunächst Kritiken von Büchern, Ausstellungen, Theater- und Opernaufführungen und - seitdem man nicht mehr daran vorbeikommt - auch Fernsehsendungen, insbesondere des sinnentleerten Talkdauerfeuers, welches Abzusondern die Verschwender meiner GEZ-Gebühren die unverfrorene Frechheit besitzen. Mehr oder weniger treffsicher wird hinterher seziert, was man doch von vornherein hätte wissen müssen, obwohl doch jeder weiß, dass Kristallkugeln schon seit Jahrhunderten ausverkauft sind. Wobei das mit dem vorher wissen eine glatte Lüge ist, wenn doch die ewig gleichen Protagonisten zu unterschiedlichen Themen immer das gleich zu sagen haben, weil sie a) zu irgendeiner Partei gehören, b) irgendjemandes Interessen vertreten wollen/müssen und c) dem gesellschaftlichen Mainstreaming verpflichtet sind. Diskussion muss ein bisschen nach Diskussion aussehen, aber ja nicht das Publikum mit zuviel echten Informationen versorgen, denn es könnte ja selbst zu denken anfangen... Die Essays sind nicht selten vom gleichen Kaliber, da liest man dürre Bleiwüsten zu Themen, die in realitas keine Katze hinterm Ofen vorlocken und zudem mit dem gehobenen Anspruch formuliert sind, dass sie bitte nur Leute des gleichen Niveaus verstehen. Ich habe nix gegen Niveau, aber von unten sieht's halt immer öfter aus wie Arroganz - und Menschen lassen sich nur ungerne sagen, dass sie dumm sind, auch wenn es manchmal stimmen mag.
Wohin führt mich das also? Nun dorthin, dass ich zwar (meistens) verstehe, was diese Redakdüsen von sich zu geben belieben, aber nicht akzeptiere, dass sie sich selbst oder irgendwelche eilfertig herbemühten Legitimationshilfen, wie etwa manchen allzu oft bemühten Philosophen (Sloterdijk kotzt mich mittlerweile an und Precht wird überbewertet) zum Maßstab des Lebens überheben. Man sollte Maßstäbe benutzen, an denen man sich auch selbst messen lassen möchte und da habe ich so meine Zweifel. Dabei müsste man annehmen, das Feuilleton-Redakteuren, die ja vermutlich über ein Studium irgendeiner Geisteswissenschaft verfügen der kategorische Imperativ ein Begriff ist.
Ach verdammich - belassen wir's einfach dabei, sie zumindest zu einem nicht unerheblichen Teil als elitistische Selbstbeömmler zu betrachten, trinken noch einen Milchkaffee und lesen was anderes - aber bitte nicht nur den Sportteil...
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