Dienstag, 16. Oktober 2012

Recyclingkreativität - gibt es so was überhaupt.



Es gibt offensichtlich in der englischsprachigen Welt eine Bewegung unter Künstlern und Kritikern, welche sich der Idee verschrieben hat, dass jedwede Art von Kunst nicht viel mehr ist als - wenn auch hoch entwickelter - Plagiarismus. Nicht in einem negativen Sinne, sondern eher aus einer Sicht auf die Kunst- und Kulturgeschichte heraus, welche den Verdacht nahe legt, dass alles irgendwie schon mal da gewesen ist und dass echte Innovativität und kreatives Genie Mythen sind, da Schöpfung ex nihilo anscheinend wohl außerhalb der menschlichen Möglichkeiten liege.

Meine Lesart ist - und nicht nur, weil ich selbst schon publiziert habe und dies auch fürderhin tun werde - nicht kongruent. Die Idee, dass der Mensch, bzw. der Künstler stets lediglich verwertet, was andere vor ihm gedacht und erschaffen haben, dass er so quasi nur recycelt, dass alles Neue mehr oder weniger direkt aus Altem entsteht und somit gleichsam alt ist, entspringt einerseits der Erkenntnis, dass alles Dasein und auch alles Kulturschaffen als in dieses Dasein eingebettet ein Prozess ist, bei dem bestimmte Elemente sehr wohl tradiert oder vererbt werden; andererseits unser heutiger Mediengebrauch das Plagiat quasi befördert, macht doch das Internet Copy-Paste quasi  zur einfachsten aller Kunstformen. Früher bedurfte es profunder technischer Kenntnisse um ein einigermaßen brauchbares Bild zu schießen, heute kriegen auch unbedarfte Amateure mit digitalem Equipment und etwas Software Know-How achtbare visuelle Produkte zu Stande. Gleiches gilt auch für das Texten und sicherlich haben sich die Wege des Veröffentlichens dermaßen pluralisiert (und damit auch demokratisiert), dass man das Plagiat schon fast als eigene Kunstform betrachten muss. Doch diese Pluralisierung geht noch weiter. Die Menge an Information und Kunst, die täglich vor meinen Augen und Ohren vorbeizieht, hat sich vervielfacht, so dass die Leute, welche "recreativity" als Prinzip schöpferischen Tuns deklarieren, jeden Künstler nur noch als Knoten in einem Netzwerk sehen, der mit anderen korrespondiert, deren Signale interpretiert, modifiziert, variiert und weitersendet. Das World Wide Web als Analogie für unser Kulturschaffen. Doch bedeutet diese (gefühlt) fast ubiquitäre Verfügbarkeit älterer Produkte des menschlichen Kulturschaffens tatsächlich, dass wir nicht (mehr) wirklich kreativ sind, sondern stets mit der einen oder anderen Form des Abkupferns beschäftigt sind, gleich wie originell und spannend diese auch sein mögen?

Zum einen vermisse ich einen wichtigen Aspekt der Prozessualität von Leben und (menschlichem) Schaffen, nämlich den der je individuellen wie auch zeitgenössischen Eigenheiten der kreativ tätigen Menschen. Methoden ändern sich, Materialien und Techniken ändern sich; und natürlich ändern sich auch die Menschen. Das was wir als tradierte Güter ehemaligen Kulturschaffens mit uns herum tragen mag eine gewisse Präsenz haben doch es diktiert nicht mein eigenes schöpferisches Tun. Ich nutze geschriebenes, Gemaltes nicht als Blaupause für meine eigenen Werke, so wenig wie die viele andere dies tun. Vielmehr ist diese dem Wandel innewohnende Varianz Motor für Vielfalt, für Innovation. Mag sein, dass einmal Gedachtes oder Gemachtes hie und da seinen Widerhall in den Kreationen kontemporärer Künstler findet, doch dies entwertet die Kunst in keinster Weise, wenn die Idee und Erkenntnis des Künstlers in ihm selbst gereift ist und so seinem Werk zur Kraft gereicht, Idee und Erkenntnis zu transportieren. Wie oft denkt man einen Gedanken, nur um später herausfinden zu müssen, dass ein Anderer diesen auch schon hatte. Dennoch ist der vielleicht auf ganz anderem Wege dahin gelangt und wird für sich reklamieren, von selbst darauf gekommen zu sein, selbst wenn es auch vor ihm schon mal jemanden gegeben haben sollte, usw..

Die eine oder andere Idee kommt immer wieder zum Vorschein und gewisse künstlerische Motive werden ja sogar als Standardtypen an der Kunstschule gelehrt. Doch das macht Kunstschaffen nicht zum Plagiarismus, denn das Werk ist immer Spiegel des Individuums, welches es geschaffen hat und eben dieses Individuum ist immer selbst dauernd im Wandel befindliches Produkt eines Prozesses, der so sehr von Zufällen und Chaos bestimmt ist - nämlich unserem Leben - das die Ergebnisse der kreativen Arbeit - natürlich unter bestimmten Voraussetzungen wie etwa Talent, Fähigkeiten, etc. - mindestens so spannend sein werden, wie das Leben selbst.

Mit Sicherheit verfangen einige Aspekte der Idee von der Recyclingkreativität, sie jedoch als ausschließliches Prinzip der Kunstschöpfung zu deklamieren, um gleichzeitig die Existenz von wahrer Kreativität, vulgo des schöpferischen Genius zu negieren, nur weil das Internet nach und nach einige Modi des Kulturbetriebes verändert, halte ich für drastisch übertrieben. Mit Sicherheit ist an der Idee vom Künstler als Empfänger/Transmitter, als Knotenpunkt im Netz(werk), der Signale - oder besser im semiotischen Sinne Symbole - dekodiert, interpretiert, modifiziert, usw. insofern etwas dran, als wie bereits oben erwähnt eine Demokratisierung des Kulturbetriebes mehr Menschen in die Rolle des kreativen (Inter)Akteurs gebracht hat; Menschen, die sicherlich oft viel Enthusiasmus, aber wenig Erfahrung und kaum formale Kenntnisse mitbringen. Aber auch für diese Leute gilt, dass sie als Individuen je eigene Algorithmen der Symbolinterpretation/Kodierung mitbringen, die auf mittlere Sicht eher einen Gewinn darstellen dürfte, denn eine "Verwässerung" des künstlerischen Schaffens.

Abschließend würde ich sagen, dass Kreativität zu fast gleichen Anteilen aus bewusstem Recycling, einer Beeinflussung durch tradierte Kulturerfahrungen und Originalität besteht. Kontemporäres kreatives Arbeiten aber als reines "Remixen" zu betrachten, rechtfertigt diese Erkenntnis in keinem Fall. Viel Spaß bei der Suche nach einer eigenen Meinung.

Montag, 1. Oktober 2012

[Cerebralfundstück N°1] Ich fuhr da so neulich...

...auf der Autobahn und da blubberte in der zugegeben ziemlich unberechenbaren Fumarole meines Geistes folgende Frage nach oben:

"Ist Mobilität ein Wert an sich?"

Und ganz ehrlich; ich weiß es noch nicht. Aber mit Sicherheit ist es eine Frage, die einer umfassenden Betrachtung lohnt. Vielleicht hat ja jemand anders eine Meinung dazu...

Mittwoch, 26. September 2012

[Cerebralfundstück N° 0] Kunst ist niemals alt...

...oder doch? Viele Menschen, die ich kenne, verstehen Kunst nicht. Oder vielmehr, ihnen ist nicht bewusst, dass es eben genau die Essenz von Kunst ist, irritieren zu wollen, ohne dass der Kunstnutzer sich dieser Tatsache sofort gewahr wird. Adorno z.B. sah Kunst in ihrer ursprünglichen Form als Korrektiv für die Entfremdung des Menschen von der Natur - sowohl der Umwelt als auch seiner eigenen - durch die Übersteigerung der Aufklärung. [Wer mehr wissen möchte lese "Dialektik der Aufklärung"] Das bedeutet in einer zeitgenössischen Lesart, sich darauf einzulassen zu müssen, von etwas verwirrt zu werden, was nicht sofort rational identifiziert und gedeutet werden kann. Darin und in der Tatsache, dass Kunst nicht inaktuell wird, nur weil sie schon ein paar Jahre auf dem Buckel hat, liegt der wahre Wert von Kunst.

Und nur so im Nebensatz: wenn es also keine alte Kunst gibt, dann auch keine moderne Kunst, da sie ja nicht inaktuell wird, aber natürlich auch nur bedingt in die Zukunft weisen kann; überdies leben wir doch sowieso schon in der Postmoderne.

Grüße aus dem Kaffeesatz

Dienstag, 25. September 2012

Des is des...

...sagt ein Kollege von mir immer, wenn es darum geht, zu beschreiben, dass mancher Sachverhalt nun einmal so ist und nur sehr schwer oder vielleicht auch gar nicht verändert werden kann. Einfach und prägnant! Finde ich gut! Wenn's nur nicht so viele Dinge gäbe, bei denen man sich denkt: "des is des halt..."

Montag, 17. September 2012

Zeit zum Lesen!

Ich lese gerne und nicht nur weil es bildet, sondern auch weil es unterhält. Lesen ist Selbstzweck an sich, denn es trainiert den Kopf, damit die Gerhirnwindungen frei bleiben - ist als wenn man mal mit dem PKW auf der Autobahn ordentlich Gas gibt, um die Stadtverkehrrumgeeierschlacken aus dem Motor zu blasen. Übrigens eignen sich auch elektronische Medien zum Lesen. Wer informiert bleiben möchte, der kommt nicht umhin, in ein paar Tages- und Wochenzeitungen zu schauen und wer keine Lust hat auf riesige Papierberge, dem kann ich neben dem Kauf eines Tablets auch die Nutzung von pulse empfehlen https://play.google.com/store/apps/details?id=com.alphonso.pulse
Ein feiner Newsaggregator, in dem man sich seine bevorzugten Zeitungen wohlgeordnet in Stapeln auf den Bildschirm holen kann. Da machen Kacheln mehr Spaß als bei der Metro-Oberfläche von Windows 8...

Montag, 10. September 2012

Ja ja, die Anderen

Bevor ich mich nun doch dazu erniedrige, etwas zu dem zu sagen, was mir seit gestern Abend durch den Kopf geht muss vorauseilen, dass ich nun auch meine zweite Semesterklausur geschrieben haben und immer noch voll des guten Gefühls bin. Manchmal, aber nur manchmal bringt Lernen tatsächlich etwas.

So, jetzt zu den Kurden. Fast jeder scheint schon was dazu abgesondert zu haben, vorneweg die guten Bürger, die sich darüber echauffieren, dass es doch nicht sein kann, dass die HIER demonstrieren, dass sich auch Minderheiten an die rechtsstaatliche Ordnung halten müssen (sagt Bilkay Öney, Integrationsministerin von Ba-Wü), dass sie doch dahin gehen sollen, wo sie herkommen und überhaupt. Das noch keiner "Deutschland den Deutschen" abgesondert hat, wundert mich fast schon bei soviel mit Inbrunst zur Schau gestellter "rechtmäßiger" Nationalstaatsbürgerwut...

DIE Kurden gibt's nicht - genau sowenig wie DIE Deutschen (nur mal so am Rande). Von 40.000 haben ca. 200 Randale gemacht und sind dabei von vielleicht 1000 nicht zurück gehalten worden. Macht 2,5%, aber die reichen ja bei uns bekanntermaßen schon immer, um die anderen 97,5% auch gleich abzuqualifizieren. Wie's geht lesen sie bei Norbert Elias (etablierte und Außenseiter) und warum man's macht bei Thilo Sarrazin (Deutschland schafft sich ab). Bevor's hier noch Sarrazinesker wird; in der Türkei werden Kurden - in der Mehrzahl Zivilisten - auf ihrem eigenen Land seit fast 40 Jahren Opfer ethnischer Säuberungen durch das türkische Militär. Kann man nachlesen. Wenn man möchte... Schuld daran ist der "Tiefe Staat" in der Türkei. Wer was darüber nachlesen möchte, auch das ist hier nicht verboten.

Auch wenn Bilkan Öney sagt sie habe es nicht so gemeint und sie sei nicht der Meinung, dass es einen tiefen Staat in der BRD gäbe kann man doch ziemlich sicher sagen, dass die Arbeit im Polizeidienst nicht gerade den Philantropen kultiviert, wofür ich vollstes Verständnis hab - UND einen Prozentsatz an nationalistisch gesinntem Personal beherbergt, der den des übrigen Deutschland weit übertrifft. Dann die auf Krawall gebürsteten, von Testosteron gesättigten, kleinasischen Mitbürgerkinder in ihrem nach Ehre und Respekt heischenden Machismo, die da vormarschiert sind. Die können einen schon mal auf die Palme treiben. Aber mal ehrlich: wer den ersten Schlag warum ausgeteilt hat weiß jetzt nur noch derjenige, der es war. Und der hält den Mund. Polizei und DIE Kurden beschuldigen sich gegenseitig. Tja, war schon immer so, wird immer so bleiben.

Aber dieses ganze, beinahe an die Blut-und-Boden-Rethorik rankommende heuchlerische "Ohne Worte"-Getue habe ich satt! Integration findet in Deutschland nicht statt, weil der Staat sie verhindert. Wer gerne wissen möchte, warum ich das behaupte, darf zu mir zum Diskutieren kommen. Aber dieses Rassisten-Geschwalls lasst ihr mir bitte vom Hals

SCHÖNEN NOCH...

Mittwoch, 5. September 2012

Erste Klausur rum!

Doch die nächste folgt sogleich. Und dennoch bin ich guten Mutes, denn offensichtlich hat das Repiturgatorium der letzten Wochen (für jene, die meinen bösartig spielerischen Wortkonstruktionen nicht immer so folgen können: Repititorium => Stoffwiederholung / Purgatorium => Fegefeuer) doch gewisse Früchte getragen. Zumindest gefühlt war die Aufgabe gut zu bewältigen, so dass ich nach 2:45 von 4:00 abgeben konnte. Ich bin in meiner Idee, doch noch nebenher zu studieren bestärkt. Juchei...

Zu Tod feuilletoniert...

Ich muss mich outen - als Bildungsbürger. Und das, obschon ich mich so ungern etikettieren lasse, aber man weiß ja, dass wir am Tage die unterschiedlichsten Rollen, als Vater, Ehemann, Mitarbeiter/Chef oder eben Bildungsbürger zu spielen haben. Zumeist spiele ich die letztgenannte allerdings eher wenig öffentlich, denn man will ja nicht als Arroganzling wahrgenommen werden.

Bildungsbürger... da schwingen verschiedene Konnotationen mit; zuallererst die (verpönte) des Elitistischen, dann irgendwie die des Mittelstandes (den es in der Form übrigens nicht mehr gibt, siehe dazu
http://books.google.de/books/about/Soziale_Milieus_im_gesellschaftlichen_St.html?id=8y_PAAAAIAAJ&redir_esc=y 
und schließlich die des Feuilleton lesenden Latte-Macchiato-Schlürfers.

Ja, ja, das Feuilleton... Aushängeschild eines Jeden, der sich mit Kultur zu beschäftigen vorgibt. Tatsächlich mithin nicht selten das Grauslichste, was man sich Morgens zum Frühstück antun kann. Selbstbeömmelung unter expliziter Herauskehrung des eigenen Anspruchs und Vermessung der Welt mit einem sehr individuell gestalteten Maßband würde es nur zu oft besser treffen. Man findet dort zunächst Kritiken von Büchern, Ausstellungen, Theater- und Opernaufführungen und - seitdem man nicht mehr daran vorbeikommt - auch Fernsehsendungen, insbesondere des sinnentleerten Talkdauerfeuers, welches Abzusondern die Verschwender meiner GEZ-Gebühren die unverfrorene Frechheit besitzen. Mehr oder weniger treffsicher wird hinterher seziert, was man doch von vornherein hätte wissen müssen, obwohl doch jeder weiß, dass Kristallkugeln schon seit Jahrhunderten ausverkauft sind. Wobei das mit dem vorher wissen eine glatte Lüge ist, wenn doch die ewig gleichen Protagonisten zu unterschiedlichen Themen immer das gleich zu sagen haben, weil sie a) zu irgendeiner Partei gehören, b) irgendjemandes Interessen vertreten wollen/müssen und c) dem gesellschaftlichen Mainstreaming verpflichtet sind. Diskussion muss ein bisschen nach Diskussion aussehen, aber ja nicht das Publikum mit zuviel echten Informationen versorgen, denn es könnte ja selbst zu denken anfangen... Die Essays sind nicht selten vom gleichen Kaliber, da liest man dürre Bleiwüsten zu Themen, die in realitas keine Katze hinterm Ofen vorlocken und zudem mit dem gehobenen Anspruch formuliert sind, dass sie bitte nur Leute des gleichen Niveaus verstehen. Ich habe nix gegen Niveau, aber von unten sieht's halt immer öfter aus wie Arroganz - und Menschen lassen sich nur ungerne sagen, dass sie dumm sind, auch wenn es manchmal stimmen mag.

Wohin führt mich das also? Nun dorthin, dass ich zwar (meistens) verstehe, was diese Redakdüsen von sich zu geben belieben, aber nicht akzeptiere, dass sie sich selbst oder irgendwelche eilfertig herbemühten Legitimationshilfen, wie etwa manchen allzu oft bemühten Philosophen (Sloterdijk kotzt mich mittlerweile an und Precht wird überbewertet) zum Maßstab des Lebens überheben. Man sollte Maßstäbe benutzen, an denen man sich auch selbst messen lassen möchte und da habe ich so meine Zweifel. Dabei müsste man annehmen, das Feuilleton-Redakteuren, die ja vermutlich über ein Studium irgendeiner Geisteswissenschaft verfügen der kategorische Imperativ ein Begriff ist.

Ach verdammich - belassen wir's einfach dabei, sie zumindest zu einem nicht unerheblichen Teil als elitistische Selbstbeömmler zu betrachten, trinken noch einen Milchkaffee und lesen was anderes - aber bitte nicht nur den Sportteil...

Freitag, 24. August 2012

Low Performer?

Es ist sicher schon manchem aufgefallen, dass sich Nachrichtenmagazine im Sommerloch gerne mit Unfug beschäftigen und diesen sogar auf den Titel heben. Der Stern macht da keine Ausnahme, dreht sich doch die Titelstory von gestern um das Thema, wie verführerisch Arbeit heute (teilweise) gestaltet ist und wie sehr sich die Arbeitnehmer vom Erfolg und der damit (hoffentlich) einhergehenden Anerkennung abhängig machen, anstatt einfach mal nein zu sagen.

Faszinierend ist, das man dabei nur Führungskräfte mittlerer und höherer Ebene, Kreative, Menschen in Bürojobs ganz allgemein betrachtet hat. Als wenn Deutschlands Arbeitslandschaft daraus bestünde... Oh, sicher, viele Menschen arbeiten im Büro und sicher ist es ganz toll, wenn man zwischendurch mit Kollegen einen Cappucino im hauseigenen Bistro schlürfen kann, um sich dabei über die Arbeit zu unterhalten, oder mal schnell ein paar Bälle über den Platz zu schlagen. Doch auch das ist nicht der Regelfall des Berufslebens. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass an vielerlei Arbeitsstätten die einzigen Schlüsselqualifikationen, welche man von den Mitarbeitern erwartet folgende sind:

- tue, was man dir sagt, wenn man es dir sagt!
- keine Widersprüche, keine unnötigen Nachfragen, kein Mitdenken!
- dein Arbeitsplatz wird so gestaltet, wie wir es für richtig halten!
- Mitsprache gleich welcher Art findet nur in dem Umfang statt, den wir zulassen!

Zum einen ist die Entgrenzung von Arbeitsplatz und Freizeitraum bzw. von Arbeitszeit und Freizeit schädlich, denn in dem Moment, da alles zu einer Melange des sich selbst managen Müssens degeneriert, verliere ich Kontrolle und Konzentration auf das im jeweiligen Bereich Essentielle. Ich arbeite nicht konzentriert, denn Arbeit ist ja irgendwie überall, denn ich kann sie mitnehmen; und ich lebe / müssiggehe / entspanne nicht mehr mit der notwendigen Würdigung dieses Freiraumes, weil ja alles irgendwie im Fluss und ein Spiel geworden ist.

Das Credo des Artikels, einfach mal NEIN sagen zu sollen wird durch die irgendwie ja ganz nette Beschreibung der Arbeitsumwelten weniger und die markigen Aussagen von Personalern, dass man halt jedes Jahr die Latte ein bisschen höher legt konterkariert. Es gibt also in deren Welt nur die Wege [Karriere > Leben] oder [Leben>Karriere]. Woraus sich drei entscheidende Fragen ableiten lassen:

Wieviel ist Karriere wert, wenn ich mit Mitte 40 im Burnout angelangt bin?
Wann lebe ich, wenn der Zweck des Lebens ist zu arbeiten, um leben zu können, nicht leben um arbeiten zu können?
Wem nutzt es, wenn ich immer mehr leiste? Wer wird dafür wegrationalisiert und verliert seine Lebensgrundlage?

Ich finde diese Angewohnheit, alles als "Lifestyle" inszenieren zu müssen, diese gezwungene Lässigkeit des "everything goes everywhere" zum Kotzen! Zum einen weil ich es genieße am (fest definierten) Ende des Arbeitstages meine Klamotten abzulegen (nein ich arbeite nicht am Band, sondern im Gesundheitswesen) und nichts außer vielleicht ein paar Gedanken zum Tagwerk mit nach Hause nehmen zu müssen. Es erscheint mir mittlerweile als Privileg, mich nicht mit so einem Unsinn wie Zielvereinbarungsgesprächen, Coachings u.Ä. herumschlagen zu müssen.

So ganz am Rande wäre es interessant zu erfahren, wie's bei Opel am Band, bei der Schwester auf Station, beim Postzusteller oder sonstwo, wo tatsächlich durch der Hände Arbeit Wert geschöpft wird mit solchem Quatsch aussieht. ich glaube, DAS würde die Leser wirklich interessieren. Der Personaler von Adidas mit seinen vollkommen überzogenen Vorstellungen von Performance ist mir nämlich schnurz!

Schönen Tag noch...

Mittwoch, 15. August 2012

Von Zeit zu Zeit wird man gescheit...

...gefühlt jedoch reicht das nie weit!

Gefühlte Ewigkeiten seit dem letzten Blog-Eintrag, tatsächlich ein halbes Jahr (was in der im Internet allgegenwärtigen Währung "Zeit" Äonen entspricht), in dem sich hier nix getan hat. Und es war nicht so, dass ich nicht dann und wann Lust verspürt hätte, dem Netz einfach mal ein paar Gedanken anzuvertrauen, doch...; ja was eigentlich? Hatte ich wirklich keine Zeit? Nun ja, ich habe tatsächlich so einiges um die Ohren mit Familie, Job, Fernstudium, aber das geht anderen auch nicht besser, oder? Immerhin war ein kleiner Urlaub in Umbrien drin. Und da habe ich fotografiert:




War eine wirklich schöne Zeit, sehr erholsam und alles und doch juckte es mich nicht in der Feder, als ich heimkam (es erwies sich als clever, sich einen Ort auszusuchen, an dem der I-Net-Zugang nur sehr schwer möglich ist. Das nennt man Selbst-Entschleunigung!). Tatsächlich war mein Problem aber so eine Art Schreibblockade, welche sich jetzt ganz allmählich löst. Ich glaube, ich hatte einfach eine Scheiß-Angst nicht alles unter einen Hut und in meinen Griff zu bekommen. Die Vorstellung, nicht mehr Herr seines eigenen Lebens sein zu dürfen, ist für die meisten Menschen ziemlich enervierend und ich mache da keine Ausnahme. Doch wenn man wieder obenauf kommt, so langsam alle Aufgaben an ihren Platz in der Prioritätenliste sortiert und sich seine Zeit neu organisiert hat, ist der Himmel wieder blau!

Vielleicht reitet mich ja mal der Teufel und ich schreib wieder einfach, was mir gerade so in den Kopf kommt; jetzt lass ich aber erstmal die Tastatur Tastatur sein und genieße den Rest des Abends. Es ist zwar Arbeits-Urlaub, das heißt aber nicht, dass es nicht auch ein bisschen Spaß machen darf... in dem Sinne bis bald, ihr da draußen!

Sonntag, 11. März 2012

Und es werde Licht...

...am Ende des Tunnels.

Nun sagt eine alte Binsenweisheit nicht ganz zu Unrecht, dass das Licht am Ende des Tunnels entweder ein Schild ist, auf dem steht "KEIN AUSGANG" - oder aber die Scheinwerfer des entgegenkommenden Zuges. Und trotzdem bin ich nach wie vor ein Freund des so genannten Mantras der Hoffnungslosen: "ALLES WIRD GUT!"

Ich habe im Laufe der Jahre die Feststellung gemacht, dass wann immer man sich als König der Welt fühlt - JA, das passiert nicht nur Leo in dem dämlichen Schiffsuntergangsfilm - das Schicksal, oder was auch immer vorbei kommt und einem eine Rechnung für  Leichtsinn präsentiert, die sich gewaschen hat. Wenn man jedoch lernen konnte, damit umzugehen, ja es sogar zu erwarten, wird vieles leichter. Insbesondere zu erkennen, dass man weder der Einzige ist, denn das "Schicksal" regelmäßig f****, noch dass es Sinn macht, nach dem "WARUM?" zu fragen.

Das Leben ist ein chaotisches, dynamisches System; es geht weiter, egal ob man Lust drauf hat oder nicht. Es geht auch unabhängig davon weiter, ob man fähig ist, sich auf Neues einzustellen, dazuzulernen, loszulassen oder festzuhalten, zu kämpfen oder zu fliehen, je nach dem, was gerade ratsam wäre. Denn wer sich nicht selber bewegt, den bewegt das Leben, vielleicht nur nicht unbedingt in die gewünschte Richtung.

Nun sitze ich hier und hoffe, dass meine Fehlschläge, Irrungen und Wirrungen bzw. deren Spätfolgen mal nachlassen und ich meine Weisheit auch selber zu nutzen lerne - in diesem Sinne: schönen Sonntag!

Freitag, 2. März 2012

Immer nur fast geschafft...

Einer der saublödesten Ausrufe, den ich mir vorstellen kann, obwohl ich ihn doch selbst schon über Gebühr oft benutzt habe; diese Worte sind ein Zeichen dafür, dass wir niemals fertig werden, dass die vermeintlichen Früchte unserer Bemühungen immer gerade irgendwo "in transit" sind, dass wir uns immer mehr aufladen, als eigentlich gesund wäre und dass wir uns trotz all der Last immer mit einem "BEINAHE" weiter vorwärts treiben auf der langen, steilen, kurvigen Straße der Selbstausbeutung.

Wenn es nicht so traurig wäre könnte ich mich fast darob kringeln - weil ich es mal wieder fast geschafft habe, einen halbwegs graden Gedanken in die Tasten zu hauen.

C U

Mittwoch, 29. Februar 2012

Warum, warum, warum?

...ich könnte mehr kotzen, als ich fressen kann! Ich musste feststellen, dass mich Krankheit, Arbeit und Umbau mehr belastet haben, als gedacht, was dazu führte, dass ich mit den Prüfungsvorbereitungen für mein Fernstudium nicht soweit gekommen bin, wie ich hätte wollen - oder müssen. Was dazu führt, dass ich mich schweren Herzens wieder von der Prüfung abgemeldet habe.

Wie jetzt, das hier soll doch kein Tagebuch sein, so schrieb ich es selbst vor wenigen Stunden hier rein, aber nun habe ich mich entschieden, dass es doch etwas mit Gedanken zu tun hat, die raus müssen. Oder habt ihr da draußen in eurem Hinterkopf keinen Friedhof, auf dem die Grabsteine eurer begrabenen Träume stehen. Manchmal muss man raus auf diesen Gottesacker und die Grabsteine streicheln, auch, wenn es weh tut. Denn nur die Träume, die wir nicht verwirklicht haben erinnern uns daran, dass es immer irgendwas gibt, dass zu träumen wert ist; auch wenn es bei weitem nicht immer Früchte trägt.

Diese Weisheit verdanke ich im übrigen einem guten Freund...
Ein Blog ist kein Blog - zumindest ohne wenigstens gelegentliche kreative Besuche durch seinen Besitzer. Ich darf von mir behaupten, diesbezüglich faul zu sein, denn für mich ist ein Blog kein Tagebuch, kein 3D - also "Dear Diary"-Ding - sondern vielmehr sowas wie eine gute Möglichkeit für Gedanken, Nachrufe, eine Glosse, manchmal auch eine Posse; also schlicht um abzusondern was raus muss! Da ich aber nicht irgendein beliebiger Wasweißichwasveramscher bin, wie z.B. die Jungs und Mädels von der lauter, bunter, ELEKTRO-Fraktion, muss eben nicht ALLES raus... nur dass, von dem ich in meiner ganz persönlichen Arroganz überzeugt bin, es könne eventuell jemanden interessieren. In diesem Sinne will ich dieses Ding reanimieren. Vielleicht liest es ja ab jetzt jemand.

So long